Südtiroler Siedlungen: Umfangreiche Dokumentation online abrufbar
Webseite macht Informationen zu Südtiroler Zeitgeschichte einfacher zugänglich – Landesrat Achammer: "Wir haben den Auftrag, Erinnerung nicht verloren gehen zu lassen"
BOZEN (LPA). Die Option von 1939 ist ein prägendes Kapitel der Südtiroler Zeitgeschichte. Rund 75.000 Südtirolerinnen und Südtiroler entschieden ihre Heimat zu verlassen, viele von ihnen lebten anschließend in 130 sogenannten Südtiroler Siedlungen in Österreich, Deutschland und Slowenien. Informationen zu insgesamt 47 Siedlungen in Österreich sowie eine umfangreiche Dokumentation können seit Kurzem in deutscher und italienischer Sprache auf der Webseite https://www.suedtirolersiedlungen.eu/ abgerufen werden.
"Der Bau der Südtiroler Siedlungen war das größte Bauvorhaben des deutschen Reiches, mit einer staats- und wehrpolitischen Dringlichkeit", führte Historiker Günther Pallaver bei der Vorstellung der Webseite aus. Entstanden sind die Siedlungen in den Jahren 1940 bis 1943, viele von ihnen stehen heute noch und sind überwiegend bewohnt und in einem guten Zustand, sagte die Direktorin des Kuratoriums für Kulturgüter, Wittfrida Mitterer: "Die Südtiroler Siedlungen befanden sich fast immer in einer zentrumsnahen Toplage und haben nach wie vor ein sehr hohes Wohnpotential." Nach den Arbeiten an der 2022 erschienen Publikation "Südtiroler Siedlungen: Condominum in mind" habe man die Unterlagen, zu denen auch 1000 historische Fotos und zahlreiche Baupläne zählen, auch einem breiten Publikum zugänglich machen wollen, da es sich dabei um bedeutende Dokumente der Zeitgeschichte sowie der Architektur- und der Kunstgeschichte handle.
Das Kuratorium habe technische Kulturgüter, wie auch die Südtiroler Siedlungen, ins Bewusstsein gerückt, erklärte Landeskonservatorin Karin Dalla Torre. Landesrat Philipp Achammer dankte allen Beteiligten für ihr Bemühen: "Erinnerungen wach halten ist keine Dokumentation zum Selbstzweck, sondern hat ein Ziel und ist ein Auftrag an uns: Denn Erinnerungen dürfen niemals verloren gehen und niemals relativiert werden", sagte Achammer bei der Vorstellung. Mit der Bewahrung und Pflege der Originaldokumente zu den Südtiroler Siedelungen wurde das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum beauftragt. Der Leiter der Ferdinandeum-Bibliothek, Roland Sila, bestätigte, dass es in Tirol vor allem in den vergangenen 30 Jahren zu einer stärkeren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Südtiroler Siedlungen gekommen sei.
Bei der Vorstellung der Webseite waren der Präsident des Gesamtverbandes Südtiroler in Österreich, Helmuth Angermann und der Projektleiter des Dokumentationszentrums Begegnungszone Option in Innsbruck, Gebhard Leitinger ebenso wie der Präsident des Kuratoriums für technische Kulturgüter Arthur Scheidle anwesend.
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Dokumente zum Herunterladen
- Landeskonservatorin Karin Dalla Torre ging auf die zeitgeschichtliche, architektur- und kunsthistorische Bedeutung der Südtiroler Siedelungen ein. (Foto: LPA/Clara Masiero) » [IMG 328 kB]
- "Erinnerungen wach halten ist keine Dokumentation zum Selbstzweck, sondern hat ein Ziel und ist ein Auftrag an uns", hob Landesrat Philipp Achammer bei der Vorstellung der Webseite hervor. (Foto: LPA/Clara Masiero) » [IMG 238 kB]
- Beim Bau der Südtiroler Siedlungen seien auch militärische Überlegungen miteinbezogen worden, hielt Historiker Günther Pallaver fest. (Foto: LPA/Clara Masiero) » [IMG 302 kB]
- Wittfrida Mitterer, Direktorin des Kuratoriums technische Kulturgüter, führte aus, dass auf der Webseite aufgrund der zahlreichen historischen Fotos ein Vergleich mit dem aktuellen Baubestand möglich sei. (Foto: LPA/Clara Masiero) » [IMG 262 kB]
- Roland Sila, der Leiter der Bibliothek des Landesmuseums Ferdinandeum, erklärte, dass die Südtiroler Siedlungen im Bundesland Tirol unter anderem durch die wissenschaftliche Erforschung stärker im Bewusstsein geblieben sind, als in anderen österreichischen Bundesländern. (Foto: LPA/Clara Masiero) » [IMG 228 kB]



