Sprache junger Menschen in Südtirol: vielfältig, international geprägt
Mit der Bekanntgabe von "lowkey" findet die erste Ausgabe von Youth Word – Südtiroler Jugendwort des Jahres ihren Abschluss
BOZEN (LPA). Die Jugendlichen haben entschieden: "Lowkey" setzt sich bei Youth Word 2026 gegen "crazy", "peak", "ragebait" und "67" durch. Die Abstimmung liefert spannende Einblicke in die Jugendsprache Südtirols. "Jugendliche sind sprachlich kreativ und treiben Sprachwandel stark an. Dass die Top 5 bei Youth Word aus dem Englischen stammen, überrascht wenig: Sprachen reagieren auf gesellschaftliche Konstellationen, sie passen sich an Modeerscheinungen und Machtverhältnisse. Und das Englische spielt auf allen Ebenen eine relevante Rolle", erklärt Andrea Abel vom Eurac-Institut für Angewandte Sprachwissenschaft und Professorin an der Unibz: "Durch die sozialen Medien können sich bestimmte Wörter und Sprechweisen, heute eben vor allem Anglizismen, viel schneller global verbreiten als früher."
Bereits die Einreichphase im September zeigte die sprachliche Vielfalt Südtirols. Neben englischen Begriffen wurden zahlreiche Dialektwörter und italienische Ausdrücke vorgeschlagen. Besonders auffällig war die große Vielfalt an unterschiedlichen Dialektwörtern, von denen sich allerdings keines unter den fünf häufigsten Begriffen durchsetzen konnte.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die aktive Beteiligung junger Menschen, von der Einreichung der Begriffe über die Mitarbeit in der Jury bis zur abschließenden Abstimmung. Der Direktor des Landesamtes für Jugendarbeit Konrad Pamer sieht darin einen besonderen Wert: "Youth Word zeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen Raum zu geben, ihre eigene Lebenswelt und Kultur sichtbar zu machen. Sie haben das Projekt von Anfang an mitgestaltet und am Ende selbst entschieden, welches Wort gewinnt."
Auch Bildungs- und Kulturlandesrat Philipp Achammer unterstreicht die Bedeutung des Projekts: "Wer verstehen will, was junge Menschen bewegt, darf ihre Sprache nicht als Spielerei abtun. Youth Word lädt uns Erwachsene dazu ein, neugierig zu bleiben und genauer hinzuhören. Denn es sind vor allem junge Menschen selbst, die den sprachlichen Wandel prägen und so einen echten Generationendialog anstoßen."
Bei Youth Word ging es von Anfang an nicht nur darum, einen Sieger zu küren. "Wir wollten zeigen, wie junge Menschen in Südtirol heute sprechen, Jugendkultur sichtbar machen und den Austausch zwischen Jung und Alt anregen", erklärt Julia Prossliner von Youth Info: "Besonders gefreut hat uns, wie viele Jugendliche sich beteiligt haben. Die Einreichungen und die Abstimmung haben uns einen spannenden Einblick in ihre Sprachwelt gegeben."
Dass sich ausgerechnet "lowkey" durchgesetzt hat, überrascht den 17-jährigen Kevin Kritzinger, Mitglied der Peer Jury, nicht: "Das Wort hört man unter Jugendlichen wirklich oft, sowohl im Alltag als auch auf Social Media. Ich finde, es passt gut zur aktuellen Jugendsprache. Auch die anderen Wörter aus den Top 5 sind ziemlich bekannt, aber ich kann gut nachvollziehen, warum sich am Ende lowkey durchgesetzt hat."
Mit der Bekanntgabe von "lowkey" findet die erste Ausgabe von Youth Word – Südtiroler Jugendwort des Jahres ihren Abschluss. Das Projekt hat nicht nur ein Siegerwort hervorgebracht, sondern auch gezeigt, wie vielfältig, dynamisch und international geprägt die Sprache junger Menschen in Südtirol ist.
Zusatzinformationen
Das Südtiroler Jugendwort des Jahres 2026 steht fest: "lowkey". Bei der Abstimmung vom 1. bis 12. Oktober hat sich der Begriff unter den 14- bis 20-Jährigen aus Südtirol durchgesetzt. Das Siegerwort wurde heute im Rahmen einer Pressekonferenz bei Youth Info in Bozen bekannt gegeben. Der aus dem Englischen stammende Begriff wird verwendet, wenn etwas unauffällig, insgeheim oder "ein bisschen so" ist. Oft wird damit eine Aussage bewusst abgeschwächt. "Ich fand's lowkey gut" bedeutet beispielsweise so viel wie "Ich fand's eigentlich oder insgeheim ziemlich gut".
"Lowkey" hat zwar insgesamt die meisten Stimmen erhalten, schaut man sich die Ergebnisse aber genauer an, wird deutlich, dass es die eine Jugendsprache nicht gibt. Je nach Alter, Geschlecht und Sprachgruppe zeigen sich Unterschiede. Während "lowkey" besonders bei den 14- bis 17-Jährigen beliebt ist, liegt bei den 18- bis 20-Jährigen "crazy" vorne. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Bei den weiblichen Teilnehmenden, auf die rund 60 Prozent der abgegebenen Stimmen entfallen, liegt "lowkey" vorne, bei den männlichen hingegen "peak".
Bei den deutschsprachigen Jugendlichen liegt "lowkey" vorne, während sich bei den italienisch- und ladinischsprachigen Teilnehmenden "crazy" durchgesetzt hat. Gleichzeitig erreicht "lowkey" in allen drei Sprachgruppen ähnlich hohe Stimmenanteile, was zeigt, dass der Begriff bei Jugendlichen in allen drei Sprachgruppen verbreitet ist.
red/mac
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- (von links): Landesrat Philipp Achammer, Julia Prossliner von Youth Info, Sprachwissenschaftlerin Andrea Abel von Eurac Research und unibz, der Direktor des Landesamtes für Jugendarbeit Konrad Pamer, Sprachwissenschaftlerin Marlies Alber von Eurac Research, Arno Parmeggiani von der Agentur für Strategie und Kommunikation zukunvt und Peer Jury-Mitglied Kevin Kritzinger. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 748 kB]
- "Lowkey" ist das Youth Word 2026: Jugendliche haben das Südtiroler Jugendwort des Jahres selbst gewählt. Im Bild der Direktor des Landesamtes für Jugendrabeit Konrad Pamer (links) und Landesrat Philipp Achammer. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 2 MB]
- Vielfältig, dynamisch, international: Youth Word macht die Sprachwelt und Kultur junger Menschen in Südtirol sichtbar. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 3 MB]
- Ein Wort mit Wiedererkennungswert: "lowkey" gehört im Alltag und auf Social Media zur Sprache vieler Jugendlicher. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 3 MB]
- Mitreden und mitentscheiden: Junge Menschen waren von der Einreichung über die Peer Jury bis zur Abstimmung aktiv am Projekt beteiligt. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 3 MB]
- Jugendsprache im Wandel: Die fünf meistgenannten Begriffe stammen allesamt aus dem Englischen. (Foto: LPA/Youth Info/Stefan Innerhofer) » [IMG 4 MB]




