Netzwerktreffen stärkt Kinderschutz in der Kleinkindbetreuung
Austausch über Prävention, Sensibilisierung und Handeln bei Gefährdung in Kleinkindbetreuungsstrukturen – Fokus auf frühe Kindheit, Schutzkonzepte und Handlungssicherheit im Kinderschutz
BOZEN (LPA). Beim Netzwerktreffen "Kinderschutz" der Familienagentur am 10. Juni haben sich pädagogische Fachkräfte sowie Expertinnen und Experten aus Pädagogik, Sozialbereich und Justiz über zentrale Fragen des Kinderschutzes in der Kleinkindbetreuung ausgetauscht. Im Fokus standen die frühkindliche Betreuung, der Kinderschutz im Rahmen der Betreuungsqualität, das genaue Hinsehen und Intervenieren bei Gefährdung des Kindes sowie die Zusammenarbeit der beteiligten Dienste.
"Kinder, insbesondere in den ersten Lebensjahren, sind ein besonders verletzlicher Teil unserer Gesellschaft. Ihr Schutz ist eine gemeinsame Aufgabe und hat höchste Priorität", betonte Familienlandesrätin Rosmarie Pamer. Eine qualitativ hochwertige und verlässliche Kleinkindbetreuung sei eine wesentliche Grundlage, um Kinder zu schützen und Familien bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen.
In Südtirol wurden die Angebote der Kleinkindbetreuung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut, von Kinderhorten über Kindertagesstätten bis hin zu Tagesmüttern und -vätern. Parallel dazu liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität. Das Wohl des Kindes ist dabei als zentraler Grundsatz in den rechtlichen Rahmenbedingungen verankert.
Ein wesentliches Instrument des Kinderschutzes ist das Kinderschutzkonzept: Jede Einrichtung der Kleinkindbetreuung in Südtirol verfügt bereits über entsprechende Leitlinien, die den Fachkräften Orientierung geben und ein strukturiertes Vorgehen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ermöglichen. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und im Sinne des Kindes rasch und abgestimmt zu handeln.
"Die Kleinkindbetreuungsdienste sind sichere Orte für Kinder. Entscheidend ist, dass Fachkräfte gut vernetzt sind, ihre Verantwortung wahrnehmen und im Bedarfsfall kompetent reagieren können", unterstrich Monika Conrater, Direktorin der Familienagentur. Der fachliche Austausch und die kontinuierliche Weiterbildung seien dafür zentrale Voraussetzungen.
Im Rahmen der Tagung wurden konkrete Themen vertieft, darunter das Verhalten von pädagogischem Personal und mögliche Grenzverletzungen: Darüber berichtete Cristina Tomio, pädagogische Begleiterin der Sozialgenossenschaft Coccinella.
Beispiele der Formen der emotionalen Vernachlässigung sowie deren Auswirkung auf Kinder beleuchtete Francesca Marangoni, Pädagogin beim Betrieb für Sozialdienste Bozen. Barbara Ruzzon gab einen Einblick in die Tätigkeiten der Kinder- und Jugendanwaltschaft, als wichtige direkte Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. Sollten pädagogische Fachkräfte in Kleinkindbetreuungsstrukturen eine etwaige Vernachlässigung oder gar eine Gefährdung des Kindes beobachten, sollte dies von der Leitung den Sozialdiensten oder dem Jugendgericht gemeldet werden, legte Benno Baumgartner nahe, der sich bis vor kurzem als Jugendrichter beim Jugendgericht Bozen für den Kinderschutz eingesetzt hatte.
Die Beiträge vermittelten praxisnahe Einblicke und stärkten die Handlungssicherheit der Teilnehmenden. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vernetzung der verschiedenen Akteure. Die Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften, Sozialdiensten und weiteren Institutionen ist entscheidend, um Kinder bestmöglich zu schützen und ihnen sichere Entwicklungsräume zu bieten.
kat
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- "Kinder, insbesondere in den ersten Lebensjahren, sind ein besonders verletzlicher Teil unserer Gesellschaft. Ihr Schutz ist eine gemeinsame Aufgabe und hat höchste Priorität", betonte Familienlandesrätin Rosmarie Pamer. (Foto: LPA/Katharina Fleischmann) » [IMG 2 MB]
- Beim Netzwerktreffen "Kinderschutz" der Familienagentur am 10. Juni haben sich pädagogische Fachkräfte sowie Expertinnen und Experten aus Pädagogik, Sozialbereich und Justiz über zentrale Fragen des Kinderschutzes in der Kleinkindbetreuung ausgetauscht. Von links: Ulrike Loch (Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen), Barbara Ruzzon (Akademische Mitarbeiterin Kinder- und Jugendanwaltschaft), Cristina Tomio (Pädagogin Sozialgenossenschaft Coccinella), Landesrätin Rosmarie Pamer, Monika Conrater (Direktorin der Familienagentur), Francesca Marangoni (Pädagogin Sozialdienste Bozen). (Foto: LPA/Katharina Fleischmann) » [IMG 885 kB]