Kiefernprozessionsspinner: Biologische Bekämpfung aus dem Hubschrauber
Mehrtägige Bekämpfung des Prozessionsspinners in Kiefernwäldern ab dem 10. September im Vinschgau – Biologisches Präparat wird mit dem Hubschrauber verteilt
SCHLANDERS (LPA). Nach dem starken Befall des Kiefernprozessionsspinners im vergangenen Jahr weist auch in diesem Jahr für den Winter und das kommende Frühjahr wieder alles auf einen massiven Befall der Kiefernwälder hin. "Am kommenden Donnerstag, 10. September, startet daher eine Bekämpfungsaktion in den Gemeinden Schlanders, Latsch, Laas und Schluderns", berichtet der Direktor des Forstinspektorats Schlanders Andreas Platter: "Der Einsatz wird mehrere Tage dauern, da im Jänner dieses Jahres auf mehr als 500 Hektar ein starker Befall festgestellt wurde."
Nachdem die letzte Bekämpfung Ende September vor drei Jahren erfolgt war, stieg der Befall durch den Kiefernprozessionsspinner in den vergangenen Jahren teilweise stark an. Besonders die Schwarzkiefernwälder im Mittelvinschgau weisen einen starken Befall durch diese Schmetterlingsart auf.
Zwar sind die typischen weißen Gespinstnester im September noch nicht sichtbar, aufgrund der sehr hohen Anzahl von Eigelegen und Initialgespinstnestern pro Baum kann aber von einer Ausdehnung des Befalls ausgegangen werden. Zusätzliche Flächen in Seitentälern und in immer größerer Höhe werden vom Prozessionsspinner befallen.
Schädlingsbekämpfungsmittel für Mensch und Tier nicht schädlich
Um den Befall zu bekämpfen, wird ab dem 10. September von einem Hubschrauber aus das biologische Präparat Bacillus thuringiensis auf die betroffenen Wälder verteilt. Ausgeführt wird die Schädlingsbekämpfung vom Landesforstdienst in Abstimmung mit der Universität Padua und mit Genehmigung des Gesundheitsministeriums. Das verwendete Mittel ist für Mensch und Tier nicht schädlich, es entwickelt erst im Verdauungstrakt der Raupen seine Giftigkeit, nachdem die Raupen die Nadeln der Kiefern gefressen haben. Das biologische Bekämpfungsmittel baut sich innerhalb weniger Tage ab.
Eine Behandlung im Herbst hat den Vorteil, dass die Raupen noch sehr klein sind und daher die Konzentration des Präparates geringer sein kann. Außerdem führt ein frühes Absterben der Raupen zu insgesamt weniger Fraßschäden. Die Dezimierung der Prozessionsspinner-Larven hilft, die unter Druck stehenden Wälder auf trockenen Standorten der tiefen Lagen zu stabilisieren, damit sie weiterhin ihre Schutzfunktion leisten können und damit Personen und Haustiere weniger in Kontakt mit den Raupen kommen.
Als mittel- und langfristige Lösung arbeitet der Landesforstdienst an der Umwandlung der Kiefernwälder in strukturreiche, laubholzreiche Mischwälder.
Zusatzinformationen
Der Prozessionsspinner ist eine mediterrane Falterart, die in Südtirol zu den bedeutendsten Forstinsekten zählt. Typisch sind die auffälligen weißen Raupen-Gespinstnester in den Kronen und an den Astenden der Bäume – vor allem Kiefern –, die auf den Befall hinweisen. Die Raupen des Prozessionsspinners ernähren sich von den Nadeln der Kiefer und schwächen diese dadurch. In der Regel sterben die Bäume aber nicht ab, weisen aber erhebliche Fraßschäden und Verfärbungen auf.
Außerdem sind die sogenannten Brennhaare dieser Forstschädlinge für den Menschen giftig und können unangenehme Reaktionen hervorrufen. Die Symptome reichen von Juckreiz über Hautreizungen bis hin zu möglichen Schleimhautentzündungen oder asthmatischen Beschwerden.
mac
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- Prozessionsspinner entwickeln sich über den Winter bevorzugt in Schwarzkiefern, wo sie die typischen Seidennester bilden. In Südtirol ist der Vinschgau jenes Gebiet, wo sie am häufigsten vorkommen: Besonders die Schwarzkiefernwälder im Mittelvinschgau weisen einen starken Befall durch diese Schmetterlingsart auf. (Foto: LPA/Forstinspektorat Schlanders) » [IMG 687 kB]
- Der Kiefernprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Falter aus dem Mittelmeerraum, seine Raupen jedoch bergen Gefahr für Mensch und Tier. Prozessionsspinner leben in auffälligen, weißen Gespinsten an Kiefern und verfügen über gefährliche Brennhaare, die starke allergische Reaktionen auslösen können. (Foto: LPA/Forstinspektorat Schlanders) » [IMG 865 kB]
