Artenmonitoring: Kooperation zeigt Erfolg

21.10.2026, 09:35

Erste Kolonie der Bechsteinfledermaus seit dem Jahr 2000 entdeckt – Kooperation von Eurac Research, Naturmuseum Südtirol und Landesamt für Natur

Selten und europaweit streng geschützt: die Bechsteinfledermaus. Der Nachweis einer Kolonie gelang im Rahmen der Kooperation von Eurac Research, Naturmuseum Südtirol und Landesamt für Natur. In ehrendem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Südtiroler Fledermauskundler Romano Kohlmayer wurde das besenderte Weibchen "Romana" genannt. (Foto: Chiara Paniccia)
Selten und europaweit streng geschützt: die Bechsteinfledermaus. Der Nachweis einer Kolonie gelang im Rahmen der Kooperation von Eurac Research, Naturmuseum Südtirol und Landesamt für Natur. In ehrendem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Südtiroler Fledermauskundler Romano Kohlmayer wurde das besenderte Weibchen "Romana" genannt. (Foto: Chiara Paniccia)

BOZEN (LPA). Es waren etliche Nachtschichten nötig, doch es hat sich gelohnt: Erstmals seit dem Jahr 2000 konnte in Südtirol wieder eine Kolonie der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), einer sehr seltenen Fledermausart, nachgewiesen werden. Zu verdanken ist dies dem gemeinsamen Einsatz von Eurac Research, Naturmuseum Südtirol und Landesamt für Natur, die im Bereich Artenmonitoring eng zusammenarbeiten. Seit 2023 werden im Rahmen dieser Kooperation die Bestände einiger europaweit streng geschützter Tierarten wie Bilche und Fledermäuse beobachtet und – wo notwendig – durch geeignete Maßnahmen unterstützt.

"Nach langer Vorarbeit, vielen Nächten im Gelände und einer Kombination verschiedenster Forschungsmethoden konnten wir endlich wieder eine Sommerkolonie der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) in Südtirol finden!", berichtet Eurac Research-Forscherin Julia Locher. Zwei Exemplare dieser Art wurden bei einer Fangaktion mit Netzen identifiziert.
"Netzfänge werden im Fledermaus-Monitoring dann eingesetzt, wenn andere Methoden wie die akustische Erfassung oder der Einsatz von Fledermauskästen nicht ausreichen, um eine Art sicher nachzuweisen. Sie dienen auch dazu, biometrische Daten zu erheben oder wie in diesem Fall, um Tiere zu besendern", erklärt Eva Ladurner vom Naturmuseum Südtirol. "Die Netze werden während der Sommermonate in den Nachtstunden von der Dämmerung bis mindestens Mitternacht aufgestellt und ständig kontrolliert, damit gefangene Tiere möglichst schnell wieder freigelassen werden können."

Eine der beiden gefundenen Bechsteinfledermäuse wurde besendert, dadurch gelang der eigentliche Nachweis der Kolonie, einer sogenannten Wochenstube: Die Telemetrie führte die Forschenden im Etschtal zu einem alten Baum mit 40 Tieren. Derartige Wochenstuben sind nur in Landschaften mit landschaftsprägenden Elementen möglich. "Die Bechsteinfledermaus nutzt große, alte Bäume in tiefen Lagen als Tagesschlafplatz und für die Aufzucht ihrer Jungtiere. Sie besiedelt vor allem Spechthöhlen und Faulstellen in Altbäumen – häufig in Eichen oder Buchen. Aber auch alte Obstbäume in Streuobstwiesen und Kastanienhaine bieten geeignete Wohnmöglichkeiten", erklärt Giulia Ligazzolo vom Landesamt für Natur.

Das unterstreicht die Bedeutung von alten Baumbeständen und strukturreichen Laubwäldern für den Erhalt dieser Art. "Die Bechsteinfledermaus ist auf alte Laubbäume und Baumhöhlen angewiesen. Diese sind in einer auf wirtschaftliche Optimierung ausgerichteten Land- und Forstwirtschaft nur noch selten anzutreffen", unterstreicht Amtsdirektor Leo Hilpold. "Der Erhalt von alten Baumbeständen ist somit ein aktiver Beitrag zum Artenschutz – und eine Voraussetzung dafür, dass die Bechsteinfledermaus in Südtirol dauerhaft überleben kann."

red/mpi

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